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  • Herzensstücke

Erfolgreicher Umgang mit trödelnden Kindern & Abendspaziergang

Wie bereits hier schon erwähnt, haben wir unsere komplette Erziehung über den Haufen geworfen (Dort könnt ihr auch die Grundzüge der Montessori-Erziehung in aller Kürzer nachlesen). Unser Alltag hat sich seither sichtlich entspannt.

Heute möchte ich auf das allseits bekannte Problem der trödelnden Kinder am Morgen oder Abend eingehen, was bei uns bisher immer der größte Streitpunkt war.

Trödelnde Kinder kennen wir alle. Vor allem dann, wenn wir es eilig haben, scheinen sie noch mal etwas langsamer zu werden. Fangen wir dann auch noch an sie antreiben zu wollen und ständig auf sie einzureden, ist alles zu spät. Dann machen sie entweder komplett zu und werden noch langsamer, was bei uns der Fall ist, oder rasten aus. Sehr häufig habe ich mich dabei ertappt, dass ich auf meine Kinder geradezu eingequatscht habe:

„Beeil dich doch endlich!“

„Hopp, hopp!“

„Jetzt mach schon, zieh endlich deine Schuhe an!“

„Dein Bus kommt doch gleich, jetzt mach schon!“

Das lief schon ganz automatisch ab. Und wenn man mal darauf achtet, regnen diese Sätze fast im Minutentakt auf unsere Kinder nieder.  Macht euch mal den Spaß und achtet darauf, wenn ihr eure Kinder fürs Bett fertig macht oder morgens für die Kita oder Schule. Und? Habt ihr mitgezählt? Auch bei anderen Eltern fällt es mir mittlerweile extrem auf. Wir alle, mich inbegriffen, tun das! Die armen Kinder! Sie haben ja gar keine andere Chance als auf Durchzug zu stellen und einfach weiter ihr Ding zu machen oder komplett auszurasten.

menschlicher Schatten

Ortseingang Gommersheim

Weide in der Pfalz

Was mache ich jetzt anders?

Eigentlich ist es ganz einfach. Aber halt nur eigentlich! Wir sind mittlerweile dazu übergegangen unseren Kinder einmal zu sagen, dass jetzt Zeit zum Anziehen ist. Und tatsächlich nur ein einziges Mal. Ich stelle dabei aber sicher, dass das Kind mich gehört und verstanden hat. Das heißt eigentlich sagen wir es nur noch der Kleinen. Die Große kennt sich schon gut aus und weiß, wann es Zeit wird sich fertig zu machen, sowohl abends, als auch morgens. Obwohl sie die Uhr noch nicht richtig lesen kann, weiß sie doch, wie die Zeiger stehen müssen, wenn sie morgens aus dem Haus muss und wann ich abends Feierabend habe. Es liegt nun in ihrer Verantwortung pünktlich fertig zu sein. Ich sage einfach gar nichts und gehe meinen eigenen Tätigkeiten nach oder trinke in Ruhe meinen Kaffee. Zugegeben, es ist oft sehr nervenaufreibend, wenn man den Zeiger unaufhaltsam vorrücken sieht und das Kind 5 Minuten vor Abfahrt des Busses immer noch nicht losgelaufen ist. Da heißt es hart bleiben und sich auf die Zunge beißen, um bloß nichts Unbedachtes zu sagen oder selbst auszurasten. Das fällt mir zugegeben noch sehr schwer. An manchen Tagen mache ich das mit links und an anderen muss ich hart mit mir kämpfen. Doch all der Kampf mit sich selbst lohnt sich, denn seither verlaufen unsere Morgende viel flüssiger, leichter und sogar viel spaßiger. In letzter Zeit tanzen wir auf laute Musik durch die Wohnung, während wir uns anziehen und das Frühstück richten. Das wäre vor ein paar Wochen noch undenkbar gewesen.

Was passiert, wenn die Zeit verstrichen ist und der Bus beispielsweise weggefahren ist?

Wichtig ist in diesem Fall einen Plan zu haben und auch hier ruhig zu bleiben. Wir brauchen weder zu keifen noch zu schimpfen:

„Jetzt ist der Bus schon wieder weg!“

„Ich hab es dir doch gesagt, mach schneller!“

„Na super, jetzt hast du es wieder mal geschafft!“

Das weiß das Kind schon selbst. Und es schafft nur unnötig Frust. Auch unsere Kinder haben ihren Stolz und ihre Integrität, die wir auf keinen Fall verletzen dürfen.

Es reicht völlig aus die natürliche Konsequenz eintreten zu lassen. In unserem Fall bedeutet das, dass sie nun mit dem Rad zur ca. 3 km entfernten Schule fährt, was im November am frühen morgen nicht gerade angenehm ist. Sie ist darauf bedacht, das zu vermeiden und achtet daher von selbst auf die Uhr. Aber natürlich musste das auch mal ausgetestet werden. Mein einziger Kommentar ist dann: „Dein Bus ist leider schon weg gefahren. Ich ziehe mich noch schnell warm an, dann fahren wir los.“ Ich gebe dann noch der Schule bescheid, dass sie keinen Suchtrupp losschicken, wenn das Kind nicht pünktlich im Unterricht erscheint, dann geht es los. Die Lehrerin hat auch sehr gut reagiert. Keine Vorhaltungen, sondern nur der Hinweis, dass sie das Versäumte natürlich nachholen muss. Auch hier war es lediglich eine natürliche Konsequenz, keine Strafe. Der Rest des Tages verlief danach völlig entspannt.

Abends läuft es bei uns ähnlich. Wie essen gemeinsam zu Abend, dann machen sich die Kids bettfertig. Wenn alles glatt läuft haben wir noch genügend Zeit eine lange Geschichte zu lesen und anschließend werden beide zu Bett gebracht. Aber beiden ist klar, dass Mama und Papa auch mal Feierabend haben. In unserem Fall ist es 19:30 Uhr. Dann habe ich Feierabend. Das heißt es gibt nach 19:30Uhr weder Geschichte, noch bringe ich die Kinder ins Bett. Wer also zu spät fertig wird mit umziehen, muss alleine ins Bett gehen. Das ist aber tatsächlich nur ein einziges Mal vorgekommen. Denn unser Bettgehritual ist uns allen heilig.

Wiese in der Pfalz

Bachlauf im Grünen

Warum reden wir denn eigentlich ständig auf unsere Kinder ein?

Ich glaube das hat mehrere Gründe. Bei mir hat es meist das Ziel, mein Kind vor den unangenehmen Folgen zu bewahren. Indem ich sie zum Beispiel ständig daran erinnere endlich ihre Hausaufgaben zu machen, möchte ich ihr eigentlich das Absagen des Schwimmbadbesuches ersparen. Doch leider geht diese Rechnung nicht auf. Sie kann zwar dann möglicherweise an diesem Tag ins Schwimmbad gehen, sofern die Hausaufgabensituation nicht durch meine ständige Einmischung hochkocht, doch leider wird das nächste Mal die Situation nicht anders sein. Die Chance daraus zu lernen ist damit leider vertan.

Ein anderer Grund kann es sein, dass wir unseren Frust und die damit verbundenen Gefühle an unseren Kindern verbal auslassen. Das ist zwar verständlich, aber doch unfair unseren Kindern gegenüber. Halten wir unsere Gefühle in Zaum, es nutzt allen.

Lassen wir die Konsequenz nicht zur Strafe werden!

Sobald wir anfangen zu zedern und zu schimpfen, wird jede Konsequenz, sei sie auch noch so natürlich zur Strafe. Wenn wir nicht wollen, dass unsere Kinder Vergeltungspläne schmieden und Hassgefühle haben, sollten wir es vermeiden zu Strafen. Aber dazu werde ich in Kürze mehr schreiben.

Bis dahin genieße deinen Tag!

Natalie

 

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2 thoughts on “Erfolgreicher Umgang mit trödelnden Kindern & Abendspaziergang

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